Vergessen Sie Perfektionismus und machen Sie Ihre „Fehler“ zu Ihrer persönlichen Note

Perfektionismus ist eine sehr weit verbreitete menschliche Eigenschaft. Perfektionismus ist eine der Eigenschaften, die ein Bewerber nennt, wenn man ihn nach Schwächen fragt. Eine von der wir insgeheim meinen, dass sie etwas Gutes hat. Eine Pseudo-Schwäche sozusagen. Aber an Perfektionismus ist nichts Pseudo. Perfektionismus ist sogar ein massives Hindernis, wenn es um Ihren Erfolg geht. Perfektionismus hat vor allem drei desaströse Nachteile.

Daher meine ich nicht, dass Sie auch erfolgreich sein können, ohne perfekt zu sein. Wenn Sie diese drei Nachteile lesen, werden auch Sie möglicherweise zur Überzeugung gelangen: Sie müssen unperfekt sein, um Erfolg zu haben.

Nachteil #1: Perfektionismus macht unsympathisch

Wir leben in einer Welt, die – auch bedingt durch den technologischen Fortschritt – zunehmend perfekter wird. Es wird scheinbar einfacher perfekte Dinge zu produzieren.

  • Beispiel Newsletter

Newsletter z.B. müssen heutzutage nicht mehr einfach nur Text sein. In jeder professionellen E-Mail Marketing Software (ich verwende übrigens Active Campaign, weil ich immer wieder gefragt werde) gibt es tolle Vorlagen. Diese braucht man nur noch auszufüllen und hat einen Newsletter, der aussieht wie vom Grafiker gemacht. Perfekt. Wird dieser deshalb öfter geöffnet. Studien sagen nein. Profi-E-Mail Marketer kommunizieren daher oft so, als ob sie ihren Zielpersonen einfach nur einen Brief schreiben würden. Keine Grafiken, kein Layout. Nicht besonders schön anzusehen. Ganz schlicht, aber sehr wirksam.

  • Beispiel Facebook Post

Wenn Sie Ihre Facebook Timeline ansehen. Welche Ihrer Posts (oder auch die anderer) bekommen denn die höchste Aufmerksamkeit, die meisten Likes. Welche werden am öftesten geteilt? Die, die mit viel Aufwand von Profis perfekt gestaltet wurden? Foto, Grafik, Text – alles perfekt. Oder sind es oft nicht die Schnappschüsse, die schnell mal mit dem Smartphone gemacht und dann mit etwas fehlerhaftem Text versehen online gestellt wurden? Sehr oft sind es erstaunlicherweise die zweiten, die unperfekten?

Womit hat das zu tun? Ein Nachteil, den Perfektionismus mit sich bringt ist, dass er tendenziell unsympathisch macht. Den Perfektionisten sowie die Ergebnisse seiner Arbeit. Warum das so ist, darüber mögen die Psychologen spekulieren. Fakt ist, dass wir uns in dieser zunehmend perfekten Welt vermehrt nach Dingen und Menschen sehnen, die unperfekt sind. Menschlich. Mit kleinen Fehlern behaftet. Dadurch erhalten diese auch eine gewisse Form der Einzigartigkeit.

Was heißt Fehler?! Das ist meine persönliche Note!

Gerade im Marketing schlägt sich dieser Nachteil des Perfektionismus massiv zu Buche. Wenn Sie es schaffen so zu kommunizieren, dass Ihre Zielgruppe das Gefühl hat da steht ein echter Mensch dahinter und nicht nur eine anonyme Organisation, sammeln Sie wertvolle Punkte.

Perfekte (so, so etwas existiert) Dinge, Menschen, Prozesse, Aktionen etc. erhalten bisweilen sehr wohl so etwas wie Bewunderung oder Respekt. Aber das ist etwas ganz Anderes als Sympathie.

Haben Sie übrigens schon das E-Book „Der Business Quantensprung – Sechsstellig verdienen als selbstständiger Dienstleister“? In diesem erhalten Sie die konkrete Schritt für Schritt Anleitung, um Ihr Geschäft noch erfolgreicher zu betreiben.

ebook_business_quantensprung_3d_V2[1]

Nachteil #2: Perfektionismus macht unendlich langsam

Was ich immer wieder bei Klienten beobachte, die dem Perfektionismus verfallen sind ist, dass Sie unglaublich langsam vorankommen. Oft fällt es Ihnen schwer überhaupt zu starten. Da wird an einem Text endlos editiert. Da wird mit einer Seite erst online gegangen, wenn auch wirklich jedes Pixel an dem Platz ist, an den es hingehört. Da werden Freebies so lange gelayoutet bis das Thema nicht mehr aktuell ist.

Andere haben schon die ersten paar hundert Downloads für ihr gratis E-Book gesammelt, bevor jene, die es perfekt machen wollen, es auch nur wagen dieses online zu stellen. So betrachtet ist Perfektionismus kein Kavaliersdelikt. Er ist ein wirkliches, ernsthaftes, großes Hindernis für Ihren Erfolg. Gerade auf Märkten wo Geschwindigkeit mehr und mehr zum wesentlichen Wettbewerbsvorteil wird.

Nachteil #3: Perfektionismus kommt sehr teuer

Sie haben sicher schon von der 80:20 Regel, dem Pareto Prinzip gehört. Die Regel besagt, dass wir 80 % unseres Erfolgs mit 20 % des Aufwands (Zeit, Geld etc.) erreichen. Ok, das ist der angenehme Teil der Regel.

Die wesentlich weniger angenehme Schlussfolgerung daraus ist aber jene, dass wir für die restlichen 20 % des Erfolgs weitere 80 % des Geldes oder unserer Zeit investieren müssen. Und das rechnet sich nur in den seltensten Fällen. Es ist erstaunlich wie allgemein zutreffend das Pareto Prinzip immer noch ist. In allen Bereichen des Lebens, der Gesellschaft und der Wirtschaft finden sich verblüffende Beispiele dafür. Dabei sind die 80:20 nur ein Richtwert. Ich habe z.B. ein Unternehmen strategisch beraten, die mit den ca. 10 erfolgreichsten Produktvarianten (von etwa 1.000, die sie hatten) über 90 % des Gewinns erzielt haben.

Was hat das mit Perfektionismus zu tun? Perfektionismus treibt uns dazu auch noch die restlichen 20 % des Erfolges zu wollen. Es müssen 100 % sein. Mit weniger geben wir uns nicht zufrieden, wenn wir dem Perfektionismus verfallen sind. Und diese 20 % kommen uns teuer, sehr teuer zu stehen. Das Tückische dabei ist, dass es oft nicht das Geld ist, das wir bei dem Versuch perfekt zu sein verschwenden, sondern, viel schlimmer, unsere wertvolle Zeit. (Und dass Zeit wiederum Geld ist, ist allgemein bekannt.)

Nicht zuletzt kostet Perfektionismus unendlich viel Nerven. Nicht nur Ihre. Glauben Sie mir, gerade in solchen Situationen sind Perfektionisten nicht unbedingt die beliebtesten Mitmenschen. Bei der 25. Überarbeitung einer Website, die eigentlich schon vor zwei Monaten online hätte sein sollen, liegen die Nerven aller meist recht blank.

Alternativen zum Perfektionismus

„Aber wenn nicht perfekt, wie oder was dann?“ könnte man sich fragen. Schrott auf den Markt zu bringen, die Welt mit Hässlichem zu beglücken oder vollkommen Unausgegorenes von sich zu geben, kann ja auch nicht die Alternative sein.

Gut ist gut genug

Das Ziel muss es sein den Punkt zu erreichen, wo die 80 % des Erfolges geschafft sind … mit 20 % des Aufwandes. Dafür muss man gut sein, aber nicht perfekt. In vielen Fällen (wie in dem Witz mit den beiden Männern, die von einem Löwen angegriffen werden und sich einer die Laufschuhe anzieht) müssen wir einfach nur schneller bzw. besser als andere sein, um Erfolg zu haben.

Viele Selbstständige, die ich kenne quälen sich z.B. endlos mit der Frage: „Kann ich denn mit Fug und Recht behaupten Experte zu sein? Bin ich denn schon gut genug dafür?“ … statt einfach besser zu sein als 95 % der anderen in einem Thema und loszulegen.

Sieger sind unperfekt

Haben Sie sich schon einmal einen Schirennläufer im Fernsehen angesehen, wenn er die Kitzbühler Streif hinunterfährt? Und der Lauf des Siegers, ist dieser perfekt? Was meinen Sie? Wenn man sich den Lauf in Zeitlupe ansieht, dann merkt man sehr deutlich, dass auch ein Sieglauf weit davon entfernt ist, perfekt zu sein. Im Grunde ist er eine Aneinanderreihung von Fehlerkorrekturen. Er ist besser als die Läufe der übrigen Starter. Er ist sicher auch ehrfurchtgebietend (für mich zumindest) und in vielen Fällen exzellent. Aber perfekt ist er definitiv nicht.

Vergessen Sie Perfektionismus

In vielen, in sehr vielen Fällen ist gut definitiv gut genug. Und wenn Sie wollen, dann seien Sie sehr gut. Und wenn Sie wirklich noch eines draufsetzen wollen, dann seien Sie exzellent. Aber versuchen Sie nicht perfekt zu sein.

Versuchen Sie nicht perfekt zu sein. Seien Sie exzellent. Das reicht vollkommen.

5 Tipps für Perfektionisten und solche, die es keinesfalls werden wollen

  • Treffen Sie eine klare Unterscheidung in Bereiche wo Sie exzellent sein sollten und solche wo nur gut, aber dafür sehr schnell besser ist. Aus meiner Erfahrung können wir das rational gut beurteilen. Schwer fällt uns die praktische Umsetzung der Unterscheidung, die wir getroffen haben.
  • Fragen Sie sich, was im schlimmsten Fall passiert, wenn Sie auf die letzten 20 % verzichten und wie wahrscheinlich es ist, dass dieser Fall eintritt. Meistens werden Sie feststellen, dass der Worst Case gar nicht (so) schlimm ist und dass die Eintrittswahrscheinlichkeit gegen Null tendiert.
  • Fangen Sie an, wenn Sie noch nicht bereit sind! – Geschwindigkeit entscheidet oft.
  • Lernen Sie mit Ihren vermeintlichen Fehlern zu leben. Kultivieren Sie diese und machen Sie Ihre persönliche Note daraus.
  • Bauen Sie kleine „Fehler“ in Dinge ein, die zu perfekt wirken. Das macht sie sympathischer.

Der Podcast zum Thema

Diesen Beitrag können Sie auch als Podcast hören.

Abonnieren Sie jetzt gleich den Podcast hier und verschaffen Sie sich ab sofort einen Wettbewerbsvorsprung. So versäumen Sie keine neue Episode.

Doch so lange Sie an den übrigen Stufen zu Ihrem Quantensprung noch nichts verändert haben und Einwände wie „zu teuer“  bzw. Rabattforderungen Ihrer Kunden entkräften müssen, nutzen Sie diese Liste zur Einwandbehandlung und holen so höhere Preise, mehr Honorar und höhere Deckungsbeiträge und Gewinne aus Ihren Verkaufsgesprächen und Preisverhandlungen.

Wie reagieren Sie auf Einwände?

Ich bin schon gespannt welche Variante der Einwandbehandlung Ihnen am besten gefällt. Schreiben Sie die Nummer in einem kurzen Kommentar hier in meinem Blog. Sollten Ihnen weitere einfallen, freue ich mich über einen entsprechenden Kommentar.

Viel Erfolg beim Ausprobieren und beim Einwände entkräften!

Ihr

Roman Kmenta - Keynote Speaker und Autor

Roman Kmenta

PS: Weitere Tipps und Ideen gibt’s im kostenlosen Quantensprung Magazin. Registrieren Sie sich jetzt!

DAS QUANTENSPRUNG MAGAZIN

Unternehmer, Autor und Keynote Speaker

Referent, Vortragsredner Roman Kmenta

Mag. Roman Kmenta ist als Keynote Speaker und Redner in international tätig. Er berät Unternehmen und Unternehmer zu den Themen Verkaufs- und Marketingstrategien für höhere Preise, Honorare und Deckungsbeiträge.
Roman Kmenta folgen auf Facebook, Twitter, XING, Google+, LinkedIn

Fotos: Roman Kmenta, Fotolia

6 Antworten
  1. Ernst Dennstedt sagt:

    Pareto sagte schon, dass man mit 20% Aufwand 80% der Ergebnisse erreicht. Das stimmt im Vertrieb, bei einem Chirurgen oder Piloten würde ich diese Regel nicht sehen wollen.

    Perfektionismus ist eine der gängigsten „Ausreden“ warum am Status Quo nix geändert wird – leider. Ist auch in der aktuellen Diskussion rund um die Digitalisierung & Disruptive Technologien nicht anders. Bis die Perfektionisten in Person mit Burn-Out oder als Unternehmen aus Wettbewerbsgründen gänzlich verschwinden.

    Nicht die Starken fressen die Schwachen sondern die Schnellen die Langsamen. Jene, die sich schneller als die Mitbewerber anpassen können, sind den Stärkeren haushoch überlegen. Auch im digitalen Zeitalter. Aktuelles Beispiel: die Taxibranche war gegen das Start-up der eindeutig Stärkere – und heute?

    Ernst J. Dennstedt MBA | Unternehmensberater | Experte Digitalisierung Vertrieb | für IT-Unternehmen | in D-A-CH | http://site-nwechsel.at

  2. Elke Storath sagt:

    Wie erfrischend und wie wahr!

    Ich finde den Artikel sehr stimmig und zwar gar nicht mal nur auf den beruflichen Ebene, sondern gerade auch bezogen auf den privaten Bereich, ja sogar imn Zusammenhang mit unserem Selbstbild.

    Wir machen uns das eigene Leben oft viel zu schwer, weil wir auf allen Ebenen perfekt sein wollen. Kein Wunder wo uns doch tagtäglich die perfekt gephotoshoppten Hochglanz-Helden und Heldinnen von den Zeitungscovern ihr perfektes Perlweiß-Lächeln präsentieren.
    Wo die durchgestylte Super-Hausfrau in der Werbung elfengleich in Sekundenschnelle und ohne erwähnenswerte Transpiration ihre gerade noch völlig abwrackte Hütte in einen blitzendes Weißlackparadies verwandelt, auf dessen Hygienestatus jeder Uniklini-Operationssaal nur neidisch zu schielen vermag.

    Dass das mit der Realität des wirklichen Lebens rein gar nichts zu tun hat, ist leider vielen Menschen gar nicht mehr bewusst. Deren Bestreben, all diesen überhöhten Anforderungen gerecht zu werden, mündet leider nicht selten in Burnout oder Depression .

    Weniger ist oft mehr und ich finde Mut zur Lücke und zu Unperfektion und Individualismus sehr sympathisch.

    Toller Artikel…vielen Dank dafür!

  3. Günter Heini sagt:

    Da bin ich ja froh, dass ich nicht perfekt bin. Meine Devise war immer: so gut wie nötig, das sollte reichen. Natürlich hätte ich hin und wieder das eine oder andere noch besser machen können. Aber dann wäre ich heute noch dabei oder ich wäre immer noch dabei es zu verbessern. Roman Kmenta hat Recht: Fehler machen uns doch menschlich und sympathisch.

    Ich selbst wurde nicht zum Perfektionismus erzogen. Und auch meine Kinder erziehe ich nicht so. Sie sollen ihren eigenen Weg finden mit der Definition von Perfektion. Das würde ich mir übrigens auch in der Gesellschaft und in der Wirtschaft wünschen. Dass wir es mit der Perfektion nicht auf die Spitze treiben. Denn Perfektion erzeugt Druck, der alles andere als gesund ist.

    • Roman Kmenta
      Roman Kmenta sagt:

      Bisweilen habe ich den Eindruck wir sind nicht perfektionistisch genug dort, wo es wirklich nötig wäre und und vielen anderen Fällen übertreiben wir es mit dem Perfektionismus …
      Beste Grüße
      Roman Kmenta

Kommentare sind deaktiviert.